10.02.2012
Propst Schmidt besuchte Partnerkirche in Indien
Beeindruckt von der sozialen Arbeit der indischen Kirche ist Propst für Oberhessen, Matthias Schmidt (Gießen), aus Kerala, einem südlichen Bundesstaat Indiens, zurückgekehrt. Begleitet wurde Propst Schmidt von dem Beauftragten für Entwicklung und Partnerschaft Asien, Herrn Pfarrer Dr. Johny Thonipara, vom Zentrum Ökumene der EKHN.
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ist mit der Kirche in Indien durch mehrere Partnerschaften verbunden. Die Dekanate Alsfeld, Vogelsberg, Büdingen und Nidda sind mit der Kirche in East Kerala, einem Landesteil im Süden Indiens, verbunden.
Indien ist ein aufstrebendes Land mit einer wachsenden, wohlhabenden Mittelschicht in den Städten, doch lebt insbesondere ein großer Teil der Landbevölkerung in Armut und rückständigen Verhältnissen, berichtete der Propst. Viele Regionen müssten ohne medizinische Versorgung, fließendes Trinkwasser oder Schulen auskommen. Die Kirche in Kerala biete Kindern etwa von Ureinwohner in abgelegenen Regionen in sieben Internaten, so genannten Hostels, Bildung und damit die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben an. Dieses Projekt finden Kirchengemeinden in Oberhessen so wichtig, dass sie seit einigen Jahren regelmäßig dafür Spenden sammeln, zuletzt über 19.000 € im Jahr 2011. Propst Schmidt, der zwei dieser Hostels besucht hat, unterstrich, dass die Arbeit allein von der indischen Kirche verantwortet wird. „Zwischen Christen in Deutschland und Indien besteht eine Partnerschaft, längst keine Patenschaft mehr.“
Matthias Schmidt hatte auch Entwicklungsprojekte der indischen Kirche für Teepflanzer besucht. Obwohl Indien fruchtbare Böden bietet haben Bauern derzeit keine Chancen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Vor zehn Jahren ist der Preis für Tee auf dem Weltmarkt eingebrochen. Die Kirche vor Ort unterstützt die Bevölkerung in den Dörfern mit Bildung. Ziel ist es, so Schmidt, Jugendlichen, vor allem jungen Frauen, Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zu eröffnen. Kleinkredite sollen Gewerbetreibenden beispielsweise die Herstellung und den Verkauf von Seifen und Kerzen ermöglichen. Auch das unterstützt die EKHN. Dabei, so Schmidt, setze die indische Kirche bei ihrer Hilfe „keinen Taufschein voraus“. Diese kirchliche Sozialarbeit unterstützt vor allem die recht- und mittellose Landbevölkerung. Angehörige der so genannten Dalits leben im hinduistischen Kastensystem auf der untersten Stufe und sind der Ausbeutung und Diskriminierung ausgesetzt.
Auch der Besuch von christlichen Klöstern, so genannten Ashrams, gehörte zum Besuchsprogramm von Propst Schmidt. Die christliche Kirche in Kerala blickt auf eine über 1700-jährige Geschichte zurück. Der Legende nach hat sogar einer der Jünger Jesu, Thomas, selbst die erste Kirche gegründet. Auch alte jüdische Gemeinden finde man an der Süd-West-Küste Indiens. Insgesamt sind in Kerala rund 20 Prozent der Bevölkerung Christen, neben 60 Prozent Hindus und 20 Prozent Muslimen. Für Indien ist das eher untypisch. In dem hinduistisch geprägten Land sind Christen insgesamt nur eine Minderheit von 2 Prozent. Im kommenden Jahr will Propst Schmidt mit Pfarrern der EKHN zu einem Studienaufenthalt in ein indisches Kloster reisen.
/ Öffentlichkeitsarbeit Evangelisches Dekanat Gießen