12.01.2012
Seit den Weihnachtstagen wird der Nordosten Nigerias von einer Welle schwerer Gewalt erschüttert: Die radikal-islamische Bewegung "Boko Haram" hat mehrere Anschläge auf Kirchen und Menschenansammlungen verübt und löst weiterhin große Angst und Schrecken aus. Direkt von den Unruhen betroffen ist auch die Kirche der Geschwister in Nigeria (EYN), Partnerkirche von EMS (Evangelische Mission in Solidarität, früher Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland), BMDZ (Basler Mission Deutscher Zweig) sowie von mission 21 (Schweiz).
Kirchenmitglieder aus der Stadt Mubi, die im Kerngebiet der EYN liegt, und aus umliegenden Orten berichten in Telefonaten von Erschießungen auf offener Straße und von gerade noch entschärften Bomben, die vor Kirchen gefunden worden sind. Sie erzählen davon, dass sie die Weihnachtstage voller Angst zuhause verbracht haben und kaum Gottesdienste möglich waren. Mittlerweile befinden sich viele Stadtbewohner auf der Flucht und hoffen, bei den Verwandten in den Dörfern wenigstens eine gewisse Sicherheit zu finden. "Wir alle fliehen voller Angst, egal von welchem Stamm und welcher Religionszugehörigkeit", berichtet Markus Gamache, ein Mitglied der EYN.
Dem staatlichen Sicherheitsapparat gelingt es nicht, die für die Terrorakte Verantwortlichen zu fassen oder die Lage zu beruhigen. Die aktuelle Situation macht deutlich, was auch bei früheren Krisen im Land zu beobachten war, dass die öffentlichen Strukturen in Nigeria nicht handlungsfähig sind. In diesem Vakuum hat sich der radikale Islamismus in den letzten Jahren eine zunehmende Machtbasis aufgebaut, die letztlich auf der Verzweiflung der völlig verarmten Bevölkerung beruht. Jetzt entlädt sie sich gewaltsam und grausam vor allem auf dem Rücken der Christen.
Boko Haram kämpft für einen theokratischen Staat nach dem Vorbild der Taliban. „Boko Haram" bedeutet übersetzt "(Westliche) Bildung ist verboten bzw. ist Sünde". "Boko" leitet sich ab vom englischen "book" (Buch) und steht für westlichen Lebensstil; "haram" ist vom arabischen Wort für "Sünde“ bzw. „verboten" abgeleitet.
Christine Gühne (ehemalige Ökumenische Mitarbeiterin in Nordnigeria, Mubi - 2007-2010)
weitere Informationen über Evangelische Mission in Solidarität (EMS)