Pfarrer der Partnerkirche der EKHN in Indien verhaftet wegen Konversion von Muslimen zum Christentum

21.11.2011

Pfarrer Khanna (Foto: D.Knoche)

Al Saints Church Srinagar (Foto: D.Knoche)

Chander Mani Khanna, Pfarrer der indischen Diözese Amritsar der Evangelischen Kirche von Nordindien (Church of North India), wurde am Samstag, den 19. November in der Stadt Srinagar im Bundesstaat Jammu und Kaschmir verhaftet. Khanna ist seit vielen Jahren Pfarrer der kleinen All Saint´s Gemeinde in Srinagar. Ihm wird vorgeworfen, sieben muslimische Jugendliche getauft und diese mit finanziellen Anreizen zur Konversion bewegt zu haben. Ferner wird ihm vorgeworfen, damit die „interreligiöse Harmonie“ in der Region Kaschmir zu stören. Zusammen mit dem Pfarrer wurden auch die Getauften verhaftet.

Nach einem Telefongespräch mit Pfarrer Khanna konnte der Bischof der Diözese Amritsar, Pradeep Kumar Samantaroy berichten, dass Pfarrer Khanna von der Polizei gut behandelt wird. Die Diözese Amritsar will nun rechtliche Schritte einleiten, um die Freilassung der Verhafteten zu erwirken. Den Vorwurf, die Konversion wäre durch finanzielle Anreize unterstützt worden, wies Bischof Samantaroy scharf zurück. Dies wiederspräche allen theologischen Grundüberzeugungen seiner Kirche. Die Christen rief er auf zum Gebet für die Inhaftierten und zur Zurückhaltung in der Öffentlichkeit. Ihm ist sehr daran gelegen, den Frieden zwischen den Religionsgemeinschaften zu bewahren.

Seit vielen Jahren pflegt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau im Rahmen einer Partnerschaft gute ökumenische Beziehungen zur Diözese Amritsar. Ihre Bildungseinrichtungen in Srinagar sowie die All Saint’s Gemeinde waren mehrfach Gastgeber für hochrangige Delegationen aus der EKHN. Bischof Samantaroy bittet darum, in Schreiben an die Präsidentin Indiens, den indischen Premierminister und den Ministerpräsidenten des Bundesstaates Jammu und Kaschmir die Besorgnis über die Verhaftung von Pfarrer Khanna und der sieben jungen Menschen zum Ausdruck zu bringen, sowie die Verantwortlichen um den Schutz der christlichen Minderheit in Indien zu bitten. Entwürfe solcher Schreiben stellt das Zentrum Ökumene über seine Homepage zur Verfügung.

In Kaschmir leben nur wenige Hunderte Christen. Die Gemeinschaft ist immer wieder von Übergriffen bedroht und die Christen leben in Angst. Im vergangenen Jahr wurde eine Schule der Diözese in Kaschmir niedergebrannt. Diese Gewalttat stand im Zusammenhang mit der Androhung eines christlichen Predigers in den USA, öffentlich den Koran zu verbrennen. Die Schulen und Krankenhäuser der Diözese leisten einen von großen Teilen der Bevölkerung hoch anerkannten Beitrag zur Entwicklung der Region. Es sind überwiegend Muslime, die die Schulen besuchen und in den Gesundheitseinrichtungen versorgt werden. Die indische Verfassung garantiert Religionsfreiheit, die auch den Religionswechsel zulässt. Einige der indischen Bundesstaaten haben Gesetze erlassen, die diese Freiheiten einschränken.

OKR Pfr. Detlev Knoche, Leiter Zentrum Ökumene
Pfr. Dr. Johny Thonipara, Beauftragter für Entwicklung und Partnerschaft Asien im Zentrum Ökumene

Zu den Briefentwürfen (Word-Dateien):

an die Präsidentin von Indien, Smt. Pratibha Devisingh Patil Rashtrapati Bhavan,

an den Premierminister von Indien, Dr. Manmohan Singh,

an den Ministerpräsidenten von Jammu and Kashmir, Sri Omar Abdullah


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über die Hoffnung, die
in uns lebt.
(nach 1. Petrus 3, 15)